Kunst-Auktionshaus Wendl

93. | Frühjahrsauktion 28. Februar - 02. März 2019


VORBERICHT ZUR 93. AUKTION



Julius Sergius von Klever: Winterlandschaft, 1909 | Elisabeth von Eicken: Sommerwiese mit alten Bäumen


Von Shanghai nach Rudolstadt

Das Kunst-Auktionshaus WENDL überrascht in seiner Frühjahrsauktion vom 28. Februar bis 2. März mit einer besonders hochwertigen und umfangreichen Sammlung mehrerer hundert chinesischer Snuffbottles und Arzneifläschchen sowie weiterer Werke der angewandten asiatischen Kunst. Zusammengetragen wurde dieses qualitätvolle Ensemble vom Sammlerehepaar L. & M. Wachter aus Nordrhein-Westfalen, die fast alle Stücke selbst während ihrer Reisen in China erwarben. Wie Tsingtau um 1900 aussah, kann dank weiterer Einlieferungen in zwei Alben mit jeweils ca. 100 historischen Fotografien und einer Sammlung großformatiger Fotos erkundet werden.   
So facettenreich wie die Kategorie Asiatika ist auch das Gesamtangebot der Auktion. Ohne Mühe ließen sich mit dieser Ware reich ausgestattete Räume von Barock bis Jugendstil & Art déco einrichten.




Snuffbottles und Arzneifläschchen-Sammlung | Silhouettentasse, Fulda, um 1781 - 1789


Besonders in der mit mehr als 700 Losen immer gut bestückten Sparte Gemälde beweist sich wieder einmal, dass ein Besuch in Rudolstadt stets eine Entdeckungsreise ist. Beeindruckend ist die Winterlandschaft des russischen Landschaftsmalers und Kügelgen-Schülers Julius Sergius von Klever, der ab 1881 als Professor an der Petersburger Kunstakademie Landschaftsmalerei lehrte. Seine in warmes Licht der schwindenden Sonne getauchte Darstellung eines Friedhofes mit alten Grabsteinen und kahlen Bäumen verströmt mystische Ruhe. Von dieser einfühlsamen Interpretation angetan war einst auch der russische Zar, der die erste Version dieses mehrfach vom Maler aufgegriffenen Motivs für seine Sammlung erwarb (Limit 15.000,-). Heiter und sommerlich ist das mit 2600,- € limitierte Entenstück von Franz Grässel. Voller Anmut steht Carl Wilhelm Tischbeins Maria Magdalena Soemmerring, geb. Wenzel, vor einem Fenster mit Blick in eine Ideallandschaft. Etwas moderner geht es bei der Grafik zu, in der beispielsweise handsignierte Lithografien von Ernst Barlach ("Die Raucherin", Limit 330,-) und Bernard Buffet ("Les Iris", Limit 500,-) vertreten sind. 

Unter den frühen Porzellanen finden sich edle Stücke aus Meissen und Thüringen, Tabatieren sowie eine seltene Fuldaer Silhouetten-Tasse. Erwähnenswert unter den frühen Fürstenberg-Porzellanen ist die von J. Chr. Rombrich um 1757/58 entworfene große Porzellandose, die die Profilköpfe des Fürsten und Manufakturgründers Karl I. und seiner Frau Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel zeigt. Ein Beleg für die hohe Kunst der KPM Anfang des 20. Jh. ist die seltene Jugendstil-Dame im Reifrock des Entwerfers Carl Reschke (Limit 900,-). Sie schlägt zeitlich den Bogen zu einer aus Thüringen stammenden Sammlung von Jugendstilgläsern böhmischer Hütten, die überaus moderat limitiert wieder auf den Markt kommen. Glanzstücke sind hier die von Julius Camillo de Maess 1899/1900 für die Pariser Weltausstellung entworfene Vase mit Emailbemalung (Limit 390,-) und die mit Pfeilmarke signierte Jugendstilvase Lötz, deren Form von Christopher Dressler für Max Emanuel & Co in London entworfen wurde. Ergänzt wird das erfreulich große Angebot durch Tisch- und Deckenlampen meist französischer Hersteller.




Französische Mädchenpuppe, Julius Steiner | Italienische Mosaik-Parure, um 1860 | Charakterpuppe "Mein kleiner Liebling", Kämmer & Reinhardt

Auch unter den Möbeln finden sich Vertreter dieser Zeit, so zum Beispiel ein Paar große, bequeme und elegant designte Ledersessel aus dem Umkreis der Wiener Werkstätten (Limit 240,-). Passend zu den ebenfalls angebotenen großen, barocken Dielenschränken gibt es zahlreiche Gemälde und Ausstattungsgegenstände aus allen Sparten der angewandten Kunst. Spannend wird es hier bei einem kleinen anatolischen Bildteppich mit Marienikone „Madonna der Passion“, der persisch auf 1354 (ca. 1935) datiert und mit Ghali bezeichnet ist und wohl aus Armenien stammt. Er zeichnet sich nicht nur durch eine feine Handknüfung, sondern auch durch seine sowohl christlich orthodoxe als auch islamische Ikonographie aus (Limit 240,-). Aus einem hessischen Fabrikantennachlass kommen weitere zahlreiche hochwertige Teppiche und eine imposante, um 1700 geschnitzte Skulptur des heiligen Michaels im Kampf mit dem Drachen (Limit 1200,-).
Auffällig gut bestückt ist diesmal auch das Spielzeugangebot. Aus dem Siegerland stammt eine über Jahrzehnte zusammengetragene Sammlung mit ca. 100 Porzellankopfpuppen.
Schätze wie das ausdrucksstarkes Puppenkind von Jules Steiner um 1880 (Limit 1200,-) oder die gesuchte Charakterpuppe 117A von Kämmer & Reinhardt, die nicht zu Unrecht den Namen "Mein süßer Liebling" trägt (Limit 390,-), zählen dazu. Aus anderer Quelle stammen die 13 neapolitanischen Krippenfiguren, deren ausdrucksstarke Gesichter die Weihnachtsgeschichte lebendig schildern.
Besonders imposant ist in der Kategorie Silber ein 86 Zentimeter großer, vergoldeter Historismus-Prunkpokal, der mit Rankenwerk und Fruchtdekor sowie drei figürlichen Szenen reich reliefiert gestaltet ist (Limit 1.500,-). Im Schmuck begeistern die sorgfältigen Goldschmiedearbeiten eines Muschelkamee-Colliers mit Smaragden und Brillanten (Limit 3.600,-), einer italienischen Mosaik-Parure im Originaletui von ca. 1860 (Limit 650,-) und einer Wiener Art-déco-Brosche mit Altschliff-Brillanten und Jade (Limit 1.700,-), neben vielen weiteren wertigen Stücken.




Barocke Eckvitrine | Carl Wilhelm Tischbein: Maria Magdalena Soemmerring, geb. Wenzel, 1819 | Barocker Erzengel Michael


Ab 23. Februar lockt die schön geschmückte Vorbesichtigung bei WENDLs nicht nur mit seiner freundlichen und familiären Atmosphäre, sondern wie üblich auch mit einigen schon Tradition gewordenen Sonderveranstaltungen. Neben Führungen durch die Ausstellungsräume und dem beliebten "Schätztag" am 25. Februar, wird am Eröffnungssamstag auch eine thematisch passende Vorstellung des Stückes "Das Original" vom Thüringer Landestheater angeboten. Dabei handelt es sich um eine spannende Kunstsatire, die der Frage nach der Echtheit eines angeblichen Jackson Pollock und damit dem Wert der Kunst im Allgemeinen nachgeht (Karten bitte im Voraus reservieren).

Fühlen Sie sich herzlich willkommen!

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Katalog: online Anfang Februar 2019, auch als Buch erhältlich (Inland 15,- € / Europa 20,- €)
Vorbesichtigung: ab 23. Februar 2019, täglich 9 – 18 Uhr
LIVE-Bieten: Registrieren Sie sich rechtzeitig vor Auktionsbeginn!



2 Design-Jugendstil-Sessel | Jugendstil-Vase, Josephinenhütte



Nächste Auktionen

93. Auktion 28. Februar - 2. März 2019
94. Auktion 20. - 22. Juni 2019
95. Auktion 24. - 26. Oktober 2019